Veröffentlicht am 11. Juli 2026 um 02:54 Uhr
Ein gewerblicher Immobilieneigentümer meldet, dass die Dunstabzugshaube im dritten Stock sporadisch ausfällt. Elektriker Sven kommt vor Ort an und steht vor dem Technikraum, in dem sich die Stromversorgung des Lüfters befindet. Ohne Wärmebildkamera müsste er:
- Den Schaltschrank stromlos schalten (was das Abschalten anderer Geräte im selben Bereich erfordert).
- Die Frontabdeckung des Schaltschranks demontieren.
- Mit einem Spannungsmesser die Spannungsfreiheit feststellen.
- Jede Sicherung, jeden Anschluss und jedes Kabel manuell überprüfen.
- Den Strom wieder einschalten und Messungen mit dem DMM durchführen, um den Fehler einzugrenzen.
Gesamtdauer: 30–60 Minuten. Risikostufe: hoch (Hantieren im spannungsführenden Schaltschrank bei Nachlässigkeiten in den Sicherheitsabläufen).
Mit dem FLIR DM166 platziert Sven stattdessen das Multimeter mit Wärmebildkamera etwa 50 cm vor der VORDERSEITE des Schaltschranks, blickt auf das Display und sieht im Wärmebild, dass eine einzelne Sicherung 40 °C wärmer ist als die übrigen. Er weiß nun sofort, WO sich das Problem befindet, und kann sein weiteres Vorgehen darauf abstimmen. Gesamte Analysezeit: 2 Minuten. Genau das ist die Innovation hinter „Infrared Guided Measurement“ (IGM) – der speziellen FLIR-Technologie, die eine Wärmebildkamera mit einem Multimeter kombiniert.
Die IGM-Technologie: Die Wärmebildkamera als Wegweiser, das DMM zur Verifikation
IGM (Infrared Guided Measurement) ist die geschützte Markenbezeichnung von FLIR für das Konzept, eine Wärmebildkamera in ein Messwerkzeug zu INTEGRIEREN, bei dem die Kamera NICHT die Primärfunktion darstellt, sondern als WEGWEISER für die eigentliche Hauptmessung des Instruments dient.
Das Grundprinzip:
- Das Multimeter DM166 ist im Kern ein vollwertiges TRMS-Multimeter – Spannung AC/DC, Stromstärke, Frequenz, Widerstand, Kapazität, Durchgangsprüfung, Diodentest.
- Das Multimeter besitzt zudem ein integriertes FLIR Lepton-Wärmebildkameramodul mit einem 80×60-Pixel-Mikrobolometer-Array.
- Bevor die Messspitzen an einen Messpunkt angelegt werden, nutzt der Anwender die Wärmebildfunktion, um zu SEHEN, wo sich Wärme entwickelt. Dies ist der infrarot-geführte Teil.
- Sobald die Auffälligkeit lokalisiert ist, werden die Messspitzen dort für die elektrische Verifikation angesetzt.
Dieser Arbeitsablauf unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Methode, Prüfspitzen wahllos an jeden Punkt zu halten, bis man den Fehler findet.
Warum Überhitzung fast immer das Symptom ist
Elektrische Fehler äußern sich meistens in einer ÜBERMÄSSIGEN WÄRMEENTWICKLUNG. Die physikalische Ursache ist simpel:
P = I² × R
Die Verlustleistung (P, Watt) in einem elektrischen Bauteil ist proportional zum Quadrat des Stroms und zum Widerstand. Tritt ein Fehler auf:
- Lockerer Anschluss: Der Übergangswiderstand steigt. Bei gleicher Stromstärke steigt P². Ein 10-A-Anschluss mit regulär 0,01 Ω (P = 1 W) erreicht bei Oxidation 0,1 Ω (P = 10 W). Die Temperatur steigt um 40–100 °C über die Umgebungstemperatur.
- Überlasteter Stromkreis: Der Strom ist zu hoch. Bei 15 A in einem 10-A-Kreis steigt P um das (15/10)² = 2,25-Fache – die Komponenten werden deutlich heißer.
- Kurzschluss: Der Widerstand geht gegen Null, der Strom wird extrem hoch. Es kommt zum thermischen Durchgehen.
- Beschädigter Kondensator: Der Innenwiderstand (ESR) steigt. Der Kondensator erwärmt sich im laufenden Betrieb stark.
- Gealterter Widerstand: Wertedrift. Die Verlustleistung verändert sich. Die Temperatur steigt oder fällt unkontrolliert.
In nahezu jedem Fehlerszenario zeigt sich das Problem zuerst als thermische Anomalie, bevor andere Symptome auftreten. Genau deshalb ist eine Wärmebildkamera ein so effektives Diagnosewerkzeug für elektrotechnische Arbeiten.
Was der 80×60 Lepton-Sensor darstellt
Der integrierte mikrothermografische Lepton-Sensor des DM166 bietet eine Auflösung von 80×60 Pixeln. Das ist WENIGER als bei einer eigenständigen Wärmebildkamera (die FLIR E5 bietet 160×120, professionelle Kameras wie die E85 bieten 320×240), aber deutlich MEHR als bei einem IR-Punkt-Thermometer (das im Grunde nur 1 Pixel abbildet).
Die praktische Konsequenz: Sie sehen ein kompaktes Wärmebild (in der Regel dargestellt als Farbskala auf dem 200×150-Pixel-LCD-Display des Multimeters). Das Bild ist detailreich genug, um EINZELNE Komponenten zu differenzieren – einzelne Sicherungen, Anschlüsse oder Kabel. Es ist jedoch NICHT für mikroskopische Detailanalysen konzipiert.
Messbereich und Genauigkeit:
- Temperaturbereich: typischerweise -10 bis +150 °C.
- Genauigkeit: ±3 °C oder ±3 % des Messwerts.
- Bildwiederholfrequenz: 9 Hz.
- Thermische Empfindlichkeit (NETD): ~150 mK – erfasst Temperaturunterschiede von 0,15 °C.
Die Bildwiederholfrequenz von 9 Hz ist das Ergebnis von Exportkontrollvorschriften. Raten bis einschließlich 9 Hz gelten als rein zivil bzw. „kommerziell“ und unterliegen keinen strengen Exportgenehmigungen; Frequenzen über 9 Hz fallen in diversen Regionen unter Regelungen für Dual-Use- oder Militärgüter. FLIR hält seine Instrumente für den allgemeinen Markt bewusst unterhalb dieser Schwelle.
Die Multimeter-Funktionen des DM166
Obwohl die Wärmebildkamera das herausragende Alleinstellungsmerkmal darstellt, überzeugt auch das Messgerät an sich durch Leistungsstärke:
- Gleichspannung (DC): bis zu 1 000 V, ±0,5 % Grundgenauigkeit.
- Wechselspannung (AC, TRMS): bis zu 750 V, ±1,0 %. TRMS steht für „True Root-Mean-Square“ (Echt-Effektivwert) – misst auch nicht-sinusförmige Signale präzise (wie sie in modernen Netzen mit Schaltnetzteilen typisch sind).
- Gleichstrom (DC): bis zu 10 A direkt, mehr über optionale Stromzange.
- Wechselstrom (AC, TRMS): bis zu 10 A direkt.
- Widerstand: 0,1 Ω bis 40 MΩ.
- Kapazität: 4 nF bis 200 μF. Unverzichtbar für die Prüfung von Anlaufkondensatoren in Motorsteuerungen.
- Frequenz: 0,001 Hz bis 1 MHz. Verifikation der Netzfrequenz (50 Hz, kann bei größeren Netzstörungen abweichen).
- Durchgangsprüfung: mit akustischem Signal für schnelle Durchgangstests.
- Diodentest: zur schnellen Überprüfung von Gleichrichterbrücken.
Überspannungskategorie: Das DM166 ist nach CAT III 600V und CAT IV 300V spezifiziert – das garantiert sicheres Arbeiten an typischen Verteilerschränken und Unterverteilungen.
Standard-Arbeitsablauf: Die 3-Schritt-Diagnose mit dem DM166
Schritt 1 – SCANNEN: Aktivieren Sie den Wärmebildmodus. Richten Sie das Multimeter aus einem Abstand von 30–100 cm auf die elektrische Installation. Beobachten Sie das LCD-Display. Achten Sie auf:
- Einzelne Punkte, die 10+ °C über der Umgebungstemperatur liegen.
- Symmetrieabweichungen: Bei drei nebeneinanderliegenden Sicherungen – wenn eine Sicherung heiß ist und die beiden anderen kühl bleiben, liegt das Problem eindeutig an der heißen Komponente.
- Thermische Gradienten: Ist ein Kabel an einem Ende deutlich wärmer als am anderen, deutet dies auf einen erhöhten Kontaktwiderstand an der heißen Verbindungsstelle hin.
Schritt 2 – LOKALISIEREN: Nutzen Sie die MAX-Messfunktion der Wärmebildkamera, um den Punkt mit der höchsten Temperatur exakt zu lokalisieren. Merken Sie sich die genaue Position.
Schritt 3 – VERIFIZIEREN: Nach Durchführung der nötigen Sicherheitsmaßnahmen (falls erforderlich) setzen Sie das DMM direkt am identifizierten Bauteil an. Führen Sie Spannungs-, Durchgangs- oder Widerstandsmessungen durch, um die Fehlerhypothese messtechnisch zu bestätigen.
Mit dieser 3-Schritt-Methode lassen sich 80 % aller elektrischen Fehler lokalisieren, ohne Gehäuse oder Schaltschränke vorab aufwendig zerlegen zu müssen.
Anwendungsbereiche
Gewerblicher Elektroservice: Liegenschaften, Bürogebäude, Gastronomie, Einzelhandel. Regelmäßige thermische Inspektionen sind der günstigste Schutz vor brandschutzrelevanten Vorfällen.
Industrielle Instandhaltung: Motorschaltungen, Kompressoren, Lüftungssteuerungen. Thermische Hotspots kündigen Verschleiß oft Wochen oder Monate vor einem Ausfall an.
Elektronikreparatur: Fehlersuche auf Bauteilebene bei Leiterplatten. Überhitzte ICs heben sich im Wärmebild direkt beim Einschalten ab.
Wartung von Photovoltaikanlagen: Hotspots auf den Solarmodulen weisen auf Zellendefekte hin. Schnelle Modulprüfungen sind direkt vom Boden aus möglich.
SHK-Technik mit Elektroschnittstellen: Wärmepumpen, Warmwasserspeicher mit Heizstäben. Kombinierte thermische und elektrische Diagnose aus einer Hand.
Automatisierungstechnik & Systemintegration: SPS-Systeme, DC-Antriebe, Servosteuerungen. Lokalisierung sporadischer Fehler.
Kfz-Elektrik: Bordelektronik, Polklemmen, Lichtmaschinenkreise. Schnelldiagnose ohne zeitaufwendiges Abklemmen.
Rechenzentren & IT-Infrastruktur: Serverräume, Unterverteilungen, USV-Anlagen. Die Erkennung thermischer Hotspots gehört hier zur Standardwartung.
Was das DM166 NICHT ersetzt
- Eine vollwertige Bauthermografie-Kamera: 80×60 Pixel reichen nicht aus, um ganze Gebäudehüllen energetisch zu analysieren.
- Ein Oszilloskop zur Signalanalyse: Das DM166 misst Gleich-, TRMS-Wechselgrößen und Frequenzen – stellt aber keinen Signalverlauf dar.
- Einen Isolationsprüfer (Megohmmeter): Die Widerstandsmessung des DM166 reicht bis 40 MΩ; für Norm-Isolationsprüfungen sind Prüfspannungen von 500–1000 V und Messbereiche bis 200 GΩ erforderlich.
- Eine Stromzange für hohe Lasten: Das DM166 misst direkt bis 10 A. Für Messungen über 100 A wird ein Stromzangenadapter benötigt.
- Ein RCD-/FI-Testgerät: Zur Überprüfung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen sind spezifische Installationstester erforderlich.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis
FLIR DM166 True-RMS-Multimeter mit integrierter Lepton 80×60 Wärmebildkamera, IGM-Technologie (Infrared Guided Measurement), Temperaturbereich -10 bis +150 °C, Wärmebildgenauigkeit von ±3 °C, Gleichspannung bis 1 000 V und Wechselspannung (TRMS) bis 750 V, Gleich-/Wechselstrom bis 10 A, Widerstand 0,1 Ω–40 MΩ, Kapazität 4 nF–200 μF, Frequenz 0,001 Hz–1 MHz, akustische Durchgangsprüfung, Diodentest, Sicherheitseinstufung CAT III 600 V / CAT IV 300 V, LCD-Display mit Wärmebildanzeige, batteriebetrieben, robuste ergonomische Bauweise. 6 051 kr.
Das Standardinstrument für Elektroinstallateure, Industrie-Instandhalter, Elektronikentwickler und viele weitere Anwender, bei denen eine schnelle thermische Eingrenzung elektrischer Fehler geschäftsentscheidend ist. Der Aufpreis von etwa 3 000–4 000 kr gegenüber herkömmlichen TRMS-Multimetern amortisiert sich schnell durch die drastisch verkürzte Fehlersuchzeit und das signifikante Plus an Arbeitssicherheit durch die berührungslose Vorabprüfung vor dem Öffnen unter Spannung stehender Komponenten.
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