Chauvin Arnoux CIR423 Doppel-Laser-IR-Thermometer 16:1: Wenn zwei Laserpunkte den tatsächlichen Außendurchmesser des Messflecks anzeigen, anstatt zu raten

Veröffentlicht am 6. Juli 2026 um 22:02 Uhr

Die berührungslose Temperaturmessung mit einem IR-Thermometer basiert darauf, dass die Sensoroptik die Infrarotstrahlung von einem definierten „Messfleck“ auf dem Messobjekt erfasst. Die Größe dieses Flecks variiert linear mit dem Abstand – und genau hier liegt das größte Missverständnis vieler Anwender. Nahezu alle einfacheren IR-Thermometer verfügen über einen Laserpointer, der lediglich den Mittelpunkt des Messflecks markiert, aber NICHT dessen Außenkante. Auf kurze Distanz ist dies unbedenklich; bei größeren Abständen kann der Messfleck jedoch um ein Vielfaches größer sein als vom Anwender erwartet, und der angezeigte Wert wird zu einer unbestimmten Mittelwertbildung über verschiedene Oberflächen hinweg.

Was das Chauvin Arnoux CIR423 auszeichnet

Das CIR423 mit Doppellaser und einem Messabstand-zu-Messfleck-Verhältnis von 16:1 von Chauvin Arnoux ist ein professionelles Hand-IR-Thermometer, bei dem der herkömmliche Einzellaser durch zwei konvergierende Laserstrahlen ersetzt wurde, die die Außenkanten des Messflecks in Echtzeit markieren. Das Instrument:

  • Verfügt über ein 16:1-Optikverhältnis – der Messfleckdurchmesser entspricht dem Abstand geteilt durch 16.
  • Besitzt einen Doppellaser, der den Außendurchmesser des Messflecks anzeigt.
  • Verfügt über einen externen Thermoelement-Eingang (Typ K) für Kontaktmessungen.
  • Bietet einen einstellbaren Emissionsgrad von 0,10 bis 1,00 für unterschiedlichste Materialien.
  • Verfügt über Alarmfunktionen für Höchst-/Tiefsttemperaturen sowie Temperaturdifferenzen.
  • Bietet eine Mittelwertfunktion für Scan-Messungen.
  • Misst bis zu 860 °C – und deckt damit die meisten Industrieanwendungen ab.

Wichtigste technische Daten:

  • Optische Auflösung (D:S): 16:1
  • Messfleckdurchmesser: 1 m Abstand = 62 mm, 500 mm Abstand = 31 mm, 100 mm Abstand = 6 mm
  • Temperaturbereich IR: -30 °C bis +860 °C
  • Thermoelement-Eingang: Typ K, -50 °C bis +1370 °C
  • Genauigkeit: ±1 % oder ±1 °C (der jeweils größere Wert gilt)
  • Auflösung: 0,1 °C
  • Emissionsgrad: 0,10–1,00 (einstellbar)
  • Lasermarkierung: Doppel-Laser Klasse 2
  • Alarmfunktionen: Höchst-/Tiefstwert-Grenzen, Differenz, Mittelwert
  • Display: Digitales LCD mit Hintergrundbeleuchtung
  • Batterie: 9 V (Typ 6LR61)

Chauvin Arnoux CIR423 IR-termometer med dubbel laser 16:1

Was D:S 16:1 in der Praxis tatsächlich bedeutet

Das Distanz-zu-Messfleck-Verhältnis (D:S-Verhältnis) ist das Verhältnis zwischen dem Abstand zur Messoberfläche und dem Durchmesser des Messflecks. Eine 16:1-Optik bedeutet: Bei 16 cm Abstand ist der Messfleck 1 cm groß; bei 160 cm Abstand beträgt der Messfleck bereits 10 cm; usw.

Praktische Konsequenzen, wenn die Messfleckgröße nicht berücksichtigt wird:

  • Leiterplatte mit einem 5 mm heißen IC inmitten kühler Komponenten: Bei 100 mm Abstand beträgt der Messfleck 6 mm – nur geringfügig größer als der IC. Bei 300 mm wächst der Fleck auf 19 mm an und erfasst den gesamten IC samt umliegender, kühler Leiterplatte. Die angezeigte Temperatur fällt dadurch niedriger aus, als der IC tatsächlich heiß ist.
  • Löten: empfohlene Spitzentemperatur 260 °C: Wird der Laserpunkt auf die Lötstelle gerichtet, der Messfleck schließt jedoch die kühlere Kabelisolierung um die Lötstelle mit ein, zeigt das Gerät lediglich 200–220 °C an. Der Anwender vermutet eine zu kalte Lötstelle – und führt fälschlicherweise zu viel Hitze zu.
  • Prüfung elektrischer Verbindungen: Potenzieller Hotspot in einer Polklemmen-Verbindung. Ist der Messfleck größer als die Klemme selbst, wird die lokale Überhitzung, die auf einen schlechten Übergangswiderstand hinweist, gar nicht erst sichtbar.

Die Doppellaser-Lösung visualisiert die Außenkonturen des Messflecks in Echtzeit: Die beiden Laserpunkte wandern zusammen, wenn man sich dem Objekt nähert, und entfernen sich voneinander, wenn man zurücktritt. Der Anwender erkennt somit sofort, wie groß die gemessene Fläche tatsächlich ist.

Emissionsgrad – die zweite häufige Fehlerquelle

IR-Thermometer berechnen die Temperatur aus der Intensität der Infrarotstrahlung gemäß dem Stefan-Boltzmann-Gesetz. Die Berechnungsformel setzt dabei einen Emissionsgrad von ε = 1 voraus (idealer schwarzer Strahler). Reale Materialien weisen jedoch einen geringeren Emissionsgrad auf:

  • Blankes Aluminium: ε ~ 0,05 (stark reflektierend, extrem schwierig per IR zu messen)
  • Rostiges oder oxidiertes Metall: ε ~ 0,80
  • Lackierte Oberfläche: ε ~ 0,90–0,95
  • Holz: ε ~ 0,90
  • Textilien, Papier: ε ~ 0,95
  • Schwarzes, mattes Klebeband (Referenzband): ε ~ 0,95

Ein falsch eingestellter Emissionsgrad kann zu Messfehlern von 20 bis 30 °C führen. Eine blanke Aluminiumoberfläche mit einer Temperatur von 80 °C wird beispielsweise als 200 °C heiß gemessen, wenn das Gerät auf ε = 0,95 eingestellt bleibt. Dank des einstellbaren Emissionsgrads des CIR423 von 0,10 bis 1,00 lässt sich das Instrument präzise an das jeweilige Material anpassen.

Praxistipp: Bei schwierig zu messenden, glänzenden Oberflächen bringt man ein Stück schwarzes, mattes Klebeband auf. Nach etwa 30 Sekunden steht das Band im thermischen Gleichgewicht mit dem Untergrund und kann mit ε = 0,95 zuverlässig gemessen werden. Dies liefert selbst auf spiegelnden Materialien exakte Messergebnisse.

Wo der Doppellaser den entscheidenden Unterschied macht

Elektronik-Diagnose: Leiterplatten mit winzigen, heißen Komponenten zwischen kühlen Bauteilen. Die korrekte Erfassung der Fleckgröße stellt sicher, dass die Temperatur einzelner Komponenten anstelle eines Mischwerts gemessen wird.

Motor- und Lagerdiagnose: Wälzlager entwickeln an verschlissenen Stellen lokale Hotspots. Ein Messfleck, der größer als das Lager ist, liefert hier keine verwertbaren Diagnosewerte.

Schaltschranküberprüfung: Lockere Kontaktstellen entwickeln sich schnell zu Hotspots. Ein präzise definierter Messfleck macht sofort sichtbar, welche Reihenklemme betroffen ist – anstatt nur eine allgemeine Erwärmung des Schaltschranks zu signalisieren.

Lötprozesskontrolle: Wellenlötbäder und Auslässe von Reflow-Öfen lassen sich mit einem klar definierten Messfleck zielgenau überwachen.

Kfz-Werkstatt: Bremsscheibentemperaturen nach Prüffahrten, Zylinderkopftemperaturen und die thermische Verteilung am Abgaskrümmer.

HLK- und Lüftungsabgleich: Kanaloberflächentemperaturen zur schnellen Überprüfung von Strömungsverhalten und Isolierungsschichten.

Lebensmittelverarbeitung: Ofenoberflächen, Konvektionsöfen und Transportbänder, bei denen berührende Messungen Hygienevorschriften verletzen würden.

Gebäudethermografie & -diagnostik: Wärmebrücken im Mauerwerk, undichte Fensteranschlüsse und Kältepunkte an Decken.

Heizkörper- und Radiatorendiagnostik: Oberflächentemperaturen an älteren Heizkörpern bei Verdacht auf ungleichmäßigen Durchfluss. Der Messfleck muss hier kleiner als die einzelnen Heizkörperrippen sein.

Schmiede und Gießereien: Überwachung der Bearbeitungstemperatur von Werkstücken. Die Thermoelement-Buchse ermöglicht hierbei ergänzende Kontaktmessungen zur direkten Verifikation.

Thermoelement-Eingang – warum er unverzichtbar ist

Das CIR423 ist mit einem externen Thermoelement-Eingang (Typ K) ausgestattet – was bei einem IR-Thermometer auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken mag. Der Hauptgrund liegt in der direkten Verifikation:

  • Bei unklaren Oberflächeneigenschaften (wie z. B. bei blanken Metallen) setzt der Anwender die Thermoelement-Messspitze für eine Kontaktmessung auf. Der IR-Messwert wird direkt mit dem Kontaktwert verglichen.
  • Besteht eine Abweichung, liegt dies am eingestellten Emissionsgrad. Dieser wird nun am Gerät so lange angepasst, bis der IR-Wert exakt mit dem Wert des Thermoelements übereinstimmt.
  • Nach dieser schnellen Kalibrierung vor Ort kann die berührungslose IR-Messung an vergleichbaren Oberflächen mit voller Messsicherheit fortgesetzt werden.

Dies entspricht der gängigen Best Practice in der industriellen Temperaturdiagnostik.

Das erhalten Sie für Ihre Investition

Das Chauvin Arnoux CIR423 Infrarot-Thermometer mit Doppellaser, 16:1-Optik, einem Temperaturbereich von -30 bis +860 °C (IR) bzw. -50 bis +1370 °C (Thermoelement Typ K), einer Genauigkeit von ±1 % / ±1 °C, einstellbarem Emissionsgrad von 0,10 bis 1,00, Alarmfunktionen (Max/Min/Differenz), Scan-Mittelwertbildung, beleuchtetem Digital-LCD und 9-V-Batterie.

Mit einem Preis von 2 015 SEK ist das Instrument eine lohnende Investition. Im Vergleich zu einfachen Einzellaser-IR-Thermometern (300–1 500 SEK, 8:1- oder 12:1-Optik ohne Randmarkierung) ist das CIR423 zwar hochpreisiger, schließt jedoch die häufigste Ursache für Fehlmessungen zuverlässig aus: einen undefinierten Messfleck. Zudem macht der integrierte Thermoelement-Eingang ein zweites Gerät zur Kontaktreferenzierung und Emissionsgrad-Ermittlung überflüssig.

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